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Das Münchner Startup Uniki bietet einen einfachen und sicheren Cloud-Server für Zuhause an. Klingt wie Protonet? Stimmt, sagen auch die Gründer. Allerdings wollen sie einiges anders machen

Wenn am 31. Juli die Server von Protonet abgeschaltet werden, geht eine der ambitioniertesten deutschen Gründungen zu Ende: Das Hamburger Startup entwickelte einen Cloud-Server, der einfacher und sicherer sein sollte als alle anderen Modelle auf dem Markt. Ein radikaler Gegenentwurf inmitten der von NSA-Enthüllungen geprägten Snowden-Ära, der den Machern neben großer medialer Präsenz auch einen Crowdfunding-Rekord bescherte.

Trotzdem: Protonet gelang es nicht, genügend Serverboxen zu verkaufen. Von schwarzen Zahlen konnte das 2012 gegründete Unternehmen bis zuletzt nur träumen. Nachdem sich Protonet zudem mit seiner US-Expansion überwarf, folgte im Frühjahr schließlich die Insolvenz. Es sei nicht gelungen, weitere Investoren für das Vorhaben zu gewinnen, hieß es. Auch wenn Protonet zumindest seine Software weitervertreiben will – die Server mit dem orangefarbenen Chassis haben ausgedient.

Uniki bietet Serverbox für Kleinunternehmer

Ist damit auch der Traum von Datenhoheit auf eigener Hardware geplatzt? Nicht unbedingt. Zwei Menschen, die noch an diese Idee glauben, sind Matthias Bollwein und Roman Leuprecht. Die Gründer des Münchner Startups Uniki haben selbst eine Serverbox entwickelt, die Nutzern die Möglichkeit bieten soll, ihre Daten einfach und sicher zu schützen. Die silberne Box sieht aus wie ein überdimensionierter CPU-Kühler. Im Innern werkeln je nach Modell ein Vierkern-Prozessor mit 3,4 Gigahertz, bis zu sechs Terabyte Speicher und 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Kostenpunkt: Ab 1.250 Euro.

So sieht das Top-Modell unter den Servern von Uniki aus. (Foto: Uniki)

Konzipiert ist der sogenannte „Uspace“ nach Angaben der Gründer für die Synchronisation von Kalender- und Kontaktdaten, aber auch zur Dateispeicherung und Kollaborationen zwischen Teams. Die Box wird einfach zu Hause am Router angeschlossen. „Wir wollen beweisen, dass Privatsphäre nicht kompliziert sein muss und geben der Allgemeinheit die Mittel, sich ohne Verzicht auf die Bequemlichkeit der Cloud ihre Datenhoheit zurückzuholen“, sagt Matthias Bollwein über das Konzept.

„Anders als Protonet versuchen wir nicht, das Rad neu zu erfinden“

Solche Sätze hat man in den vergangenen Jahren von Protonet zuhauf gehört. Und tatsächlich ähnelt der Auftritt von Uniki in vielerlei Hinsicht dem Hamburger Vorbild. Auf seiner Website spricht das Startup bewusst Selbstständige und Kleinunternehmen an, beim eigens entwickelten „UnikiOS“ ist man sich nicht sicher, ob es nun „Magisch einfach oder einfach magisch?“ ist und der Sicherheitsaspekt steht im Mittelpunkt.

Trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeiten mit Protonet will sich Uniki aber nicht als Nachahmer verstanden wissen, wie Bollwein auf Nachfrage betont. „Anders als Protonet versuchen wir nicht, das Rad neu zu erfinden“, sagt der gelernte Finanzmathematiker. Weder entwickle das Unternehmen eine eigene Kühllösung noch eine Kollaborationssoftware. „Stattdessen erschaffen wir eine App-Plattform, auf der gute bestehende Web-Anwendungen laufen“, so Bollwein. Auf diese Weise sollen Nutzer den Server je nach Bedarf etwa um Chatmodule oder Funktionen für die Zeiterfassung oder das Projektmanagement erweitern können.

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